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Olympia™ muss weitergehen

Im Laufe der Tage hat man es ja an allen Ecken und Ende gehört. In der Supermarktschlange in „stille Post“-Manier nach vorn durchgeraunt, aber doch immer skeptisch intoniert.

Sollen wir DIE Spiele boykottieren?

Nur ein kategorisches NIEMALS kann darauf die angemessene Antwort sein. Schließlich gehen sie uns alle an. Doch nicht etwa, weil im chinesischen Tibet Tibeter von chinesischen Chinesen erschossen und in diesem Text vielleicht unangemessener Weise erst in Satz sechs (ohne Überschrift) erwähnt werden und DIE Spiele in eben jenem China stattfinden sollen. Nein. Sport-, Partei- und Wirtschaftsfunktionäre auf der ganzen Welt geben uns logisch-emotionale Gründe, warum ein Boykott ausgeschlossen werden kann.

1. DIE Spiele werden seit 1984 privat finanziert und vermarktet. Da hängen also JOBS dran! Und es könnten auch VERLUSTE entstehen, wenn die EINNAHMEN gefährdete werden. Eine Menge Sponsoren wären not amused, wenn die Spiele wegen ein paar (ca. 140; 20. März 2008 TAZ Bezug nehmend auf Exiltibeter) toter, im Sinne der Kaufkraft impotenter Tibeter mit dem Makel „Boykottspiele“ behaftet werden würden. Die Wörter Boykott und Geschäft passen einfach nicht zusammen. Das führt zu Punkt…

2. Man darf den Sportarbeitern nicht ihren Arbeitsplatz vernichten. Häh? Wie hängt denn das jetzt mit Leichen zusammen? Ganz einfach. Man darf den Sportlern die Chance ihres Lebens nicht nehmen. Olympia ist das Endziel ihrer privat oder staatlich geförderten/-drillten Karriere. Bei den letzten Spielen in Athen 2004 waren das 11.988 Berufssportler aus 202 Nationen. Für das Jahr 2008 in Peking werden ca. 12.000 Berufssportler aus 204 Nationen erwartet. Alle wollen eine Chance auf Gold. Das wären gerade einmal 0,0116 (Periode) tote Tibeter pro Chance auf Gold. Im rechnerisch ungünstigeren Fall wären das von 929 möglichen Medaillen (basierend auf dem Medaillenspiegel von 2006) immer noch der geringe Wert von 0,1507 (gerundet) toten Tibetern pro lebenstraumverwirklichendem Berufssportler. Auch wenn man dem in Deutschland eingebrannten Leitspruch „Der zweite Sieger ist der erste Verlierer“ Rechnung trägt, können 0,4651 tote Tibeter pro „GOLD! GOLD! GOLD! DEUTSCHLAND IST WELTMEISTER!“ die Weltöffentlichkeit nicht von der Nachmittagstalkshow wegreißen.

Schon häufen sich auch die Stimmen, die sagen: „Man darf den chinesischen Soldaten und Polizisten nicht ihre Lebensaufgabe zunichte machen. Die trainieren ihr ganzes Leben, den Staat zu verteidigen. Und wenn sie nun in diesem ethnischen Konflikt eingreifen, werden auf internationalen Druck ihre Arbeitsplätze gefährdet.“ Diese Position ist natürlich nicht hinnehmbar und frei erfunden.

3. Weiterhin kann es jawohl nicht die Alternative sein, dass die ganze Welt auf die „internationalen Horst-Paluschke-Gedenk-Spiele mit olympischen Charakter“© (IHPGSmoC) in der diesjährigen Partnerstadt Teheran schaut und damit wichtige Werbeeinnahmen verloren gehen.

Zusammenfassend kann also gesagt werden:

DIE Spiele finden statt.


Aktuelle Tabelle (22. März 2008) Tagesschau.de

Tibetische Exilregierung 20. März (Angaben in der TAZ)

Einheit

Tote Tibeter (n=140)

Pro Teilnehmer der olympischen Spiele (12000)

0,0116 (Periode)

Pro Medaillengewinner (929)

0,1507 (gerundet)

Pro Gold-Medaille (301)

0,4651 (gerundet)


Tibetische Exilregierung 22. März

Einheit
Tote Tibeter (n=100)
Pro Teilnehmer der olympischen Spiele (12000) 0,0083 (Periode)
Pro Medaillengewinner (929) 0,1076 (gerundet)
Pro Gold-Medaille (301) 0,3322 (gerundet)

Chinesische Angaben 22. März

Einheit Tote Tibeter (n=18)
Pro Teilnehmer der olympischen Spiele (12000) 0,0015
Pro Medaillengewinner (929) 0,0194 (gerundet)
Pro Gold-Medaille (301) 0,0598 (gerundet)

Es sieht schlecht so aus, als würden die Spiele stattfinden. Auch hat die Tibetische Exilregierung ihre Toten nach unten korrigiert. China gibt erstmals Tote zu. Die Tabelle wird weiter aktualisiert.