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1. Mai privatisiert

Berlin – Nach dem Jahrzehntelangen Kämpfen um die Besitzverhältnisse des Ersten Mai kam es heute in den frühen Morgenstunden zu einer überraschenden Einigung zwischen den Konflikparteien. Die Marathonverhandlungen der letzten Wochen haben somit ein positives Ende gefunden. Die beteiligten repräsentativen Gruppen fanden schließlich ihre Einigung darin, niemand anderem den 1.Mai zu gönnen, außer sich selbst.

Als geschickter Schachzug erwies sich daraufhin der Vorschlag des Bundespräsidienten Ronny-Kevin Stuhl (UNPD). Er ließ alle Anwesenden bei einer Kaffee- und Rum-Pause ein Schriftstück unterschreiben, welches den kleinsten gemeinsamen Nenner enthielt. Nachdem alle unterschrieben hatten, zeigte er ihnen, was er mit ‚Zaubertinte aus dem Yps-Heft‘ noch darunter geschrieben hätte: Alle unterschreibenden Parteien verpflichten sich an der Privatisierung des Ersten Mai kompromisslos beteiligen. Darüber hinaus gehöre der Erste Mai jetzt Dr. Helmut Kohl. Nachdem sich die Vertreter der repräsentativen Gruppen von diesem strategischen Tiefschlag des Bundespräsidenten erholt hatten, spendeten sie ihm spontan einen 27 minütigen Beifall.

Die anschließende Privatisierungszeremonie verlief jedoch mit kleineren Pannen. So warf sich Hans-Martin von Moabit, Anführer und Chefideologe der ‚Internationalen antinationalen Punker und Autonomen Autonomen‘ unterwürfig in der kompletten Länge vor den sitzenden Dr. Helmut Kohl. Und konnte nur mit Polizei- und Bundeswehrgewalt dazu gebracht werden zumindest die Knie des neuen Besitzers des Ersten Mai anzuschauen.

Erwartungsgemäß unkomplizierter verhielt es sich bei den anderen Repräsentanten. Dr. Adolf Schickelgruber von der ‚Vereinigten Rechten‘ schwor Dr. Helmut Kohl für den Ersten Mai ewige ‚Vasallentreue bis in den Tod und darüber hinaus‘, was auch immer das bedeuten mag, und gab ihm den traditionellen faschistischen Bruderkuss auf das Scrotum. „Kalt, trocken und faltig. Der Hodensack eines wahren Führers,“ gestand Schickelgruber mit Freundentränen in den Augen gegenüber Erdbeeren im Winter.

Anschließend nahm Dr. Helmut Kohl die Unterwerfungsgeste Dieter Bohlens entgegen, Generalvikarpapstsekretär der ‚Christlichen Gewerkschaft für Weltfrieden und niedrige Löhne‘ und derzeitiger Vorsitzender des ‚Bundes aller deutschen Gewerkschaften‘. Bohlen dazu vertraulich: „Wir haben uns 1933 ergeben, warum sollten wir jetzt wirklich kämpfen?“

Als letzter Teilnehmer trat Jupp Schröder* im Laufschritt vor Dr. Helmut Kohl. Der Rädelsanführer der ‚Autonomen Polizisten‘ erschien wie gewohnt in voller Kampfpanzerung und ließ sich von Dr. Helmut Kohl den Schlagstock segnen. Voller Stolz zeigte er seine geweihte Waffe anschließend angeberisch bei allen Anwesenden herum und testete sie auch noch kurz an dem vollkommen überraschten von Moabit, der sich jegliche weiteren ‚Tests‘ verbat und auf seinen Anwalt verwies.

Abschließend mussten alle noch dem Protokoll entsprechend auf das Kreuz spucken, dreimal den Namen Baphomets lobpreisen und sich auf dem linken Bein hüpfend siebenmal um die eigene Achse gegen den Urzeigersinn drehen, um den Vertrag zu besiegeln. Stellvertretend für Dr. Helmut Kohl sprang Jupp Schröder* zweimal.

Für den nächsten Ersten Mai ließ Dr. Helmut Kohl als alleiniger Besitzer folgende Gebote verkünden:


  1. Dr. Helmut Kohl ist alleiniger Besitzer des Ersten des Monats Mai für alle Zeit und immerdar.

  2. Dr. Helmut Kohl kann als alleiniger Besitzer des Ersten des Monats Mai mit diesem Tage tun und lassen, was Dr. Helmut Kohl gedünket.

  3. Allen anderen ist es verboten, den Ersten des Monats Mai ohne Genehmigung von Dr. Helmut Kohl zu nutzen, kopieren und/oder zu verbreiten.

  4. Dr. Helmut Kohl wird die bereits ab heute als ‚Die historischen Mai-Gebote Dr. Helmut Kohls‘ zu geltenden Gebote 1., 2. und 3. notfalls mit der Gewalt seines guten Freundes und Untergebenen X , Rädelsanführer der Autonomen Polizisten, durchsetzen lassen.

  5. In seiner unendlichen Gnade gestattet Dr. Helmut Kohl uneingeschränkt allen anderen

    5.i das Atmen,

    5.ii Ausführung primärer Körperfunktionen.

  6. Anträge für alle anderen Belange sind in schriftlicher Form persönlich bei einer Audienz Dr. Helmut Kohls sechs Monate im voraus vorzutragen.

  7. Der Erste des Monats Mai heißt ab sofort Dr. Helmut Kohl nach seinem Besitzer Dr. Helmut Kohl für allezeit und immerdar.


* Name von der Redaktion vermutet.



Interview mit Jupp Schröder*


Jupp Schröder* wurde vermutlich 1968 geboren und studierte wahrscheinlich Pädagogik und Pharmazie auf Lehramt an der Universität Böblingen. Es existieren Hinweise auf eine Tätigkeit als Erzieher in einem Bonner Kindergarten. 1989 schwor er allerdings der Gewalt ab und trat in den Polizeidienst ein, wo er sich sofort wieder der Gewalt verschwor. Jupp Schröder ist vermutlich verheiratet und hat keine Kinder. Sein Keller wurde nie genauer untersucht.


Erdbeeren im Winter: Herr X, wir vermuten ja, dass ihr Klarname Jupp Schröder lautet. Warum nicht Josef? Waren ihre Eltern Proletarier?


Jupp Schröder*: Arier schon, aber keine Prolet! (lacht kumpelhaft) Sollten sie jedoch weitere Nachforschungen anstellen, muss ich sie mit meinem von Dr. Helmut Kohl gesegneten Einsatztonfa PX5/44s bis zu Besinnungslosigkeit prügeln.


E.i.W.: So leicht lassen wir und nicht einschüchtern.


J.S.*: (Schlägt mit Knüppel)


E.i.W.: (Blutend) Gut, gut, wir werden nie wieder Nachforschungen anstellen.


J.S.*: Das will ich auch für ihre Besinnungsfähigkeit hoffen.


E.i.W.: Der Erste Mai war ja ein internationaler Kampftag…


J.S.*: …und jetzt kämpft an diesem Tag nur noch mein Knüppel. Der Tag gehört Dr. Helmut Kohl und das wird auch so bleiben. Basta!


E.i.W.: Wie haben nun alle anderen Menschen beim Leben des Ersten Mai vorzugehen? Sie können ja schließlich nicht einfach vom 30. April zum 2. Mai wechseln oder gar einen Tag lang nur schlafen.


J.S.*: Wenn es nach mir ginge, würden wir es so einrichten, dass jeder andere außer Dr. Helmut Kohl und von Dr. Helmut Kohl berechtigten Personen den Ersten Mai schlafend verbringt.


E.i.W.: Wie wollen Sie das tun?


J.S.*: (Zeigt auf seinen Knüppel.)


E.i.W.: Also bleibt nur ihr Knüppel oder der Antragsweg. Befürchten Sie bei der Gewaltandrohung nicht lange Diskussionen mit Bürgern aus gebildeteren Schichten?


J.S.* Wissen Sie, diese Diskussionen führt immer mein Knüppel. Der kann nämlich sprechen. Der sagt dann ‚Gehe sofort ins Krankenhaus. Gehe nicht über los und streiche nicht 2000 Euro ein!‘ (Lacht herzlich) Nein, aber ernsthaft. Mein Knüppel kann sprechen. Aber nur zu mir…


E.i.W.: Herr X wir danken für dieses Gespr…(läuft plötzlich schnell weg)

* Name von der Redaktion vermutet.

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