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SPD dreht noch einmal richtig auf

Review der Doppelfolge vom Sonntag

Eigentlich galt die Serie „SPD“ vielen schon als Zombie oder Wachkomapatient. Warf man der Serie in der Vergangenheit inhaltliche Schwächen vor und waren die Figuren Beck und Ypsilanti unglaubwürdig geworden, so überraschte die erste Doppelfolge der 146. Staffel des Dokudramas mit gleich zu Beginn mit einer radikalen Wendung. Notwendig war es geworden, da das Ende der letzten Staffel viele Stammseher nicht mehr überzeugen konnte. Der ewige Zwist zwischen Beck und Steinmeier um die Kanzlerkandidatur fand keinen befriedigenden Abschluss und blieb ein langweiliger Cliffhanger. Die Serie drohte in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Zwar hat das Spin-Off um den charismatischen Oskar und seine Abenteuer „Die LINKE“ inzwischen immer mehr Fans, aber dies wirkt sich eher negativ auf die Hauptserie aus. So schien die Parteileitung nun nicht verlegen, auch radikale Umbrüche zu vollziehen, um wieder einen größeren Marktanteil in der Zielgruppe zu erlangen.

Die Folge begann in einem traumhaften Ferienressort. Die Parteispitze hatte ihre Claqueure zum Entspannen dorthin eingeladen und alle erwarteten dort ein wenig von den leckeren Schnittchen zu bekommen und sich die Taschen für die prophezeiten schlechteren Zeiten zu füllen. Aber weit gefehlt. Statt Bildern von dicklichen Hinterbänklern mit vollem Mund und Alufolie ausgekleideten Handtaschen aus denen Schnittchenecken lugen zeigte Gast-Regisseur Steven Spielburg (Soldat James Ryan, 24, Hitlers Helfer, Sandmännchen 3 – Endless Dream) in schnellen Schnitten und vor drohender Musikkulisse den scheidenden Parteivorsitzenden Kurt Beck (gespielt von Kurt Beck). Dieser rief eine kleine Gruppe von Verschwörern/Parteigranden in einem abgelegenen Bungalow zusammen. Bei Brennspiritus-O schrie er: „Ich hab die Schnauze voll. Diesen Scheiß mach ich nicht mehr mit. Der fucking Spiegel, der kriegt ne Briefbombe! Aber voll Karacho. Jetzt echt!“ Nach einer kurzen Pause verkündete er dann den entsetzten Gesichtern vom Steinmeier, Müntefering und Heil, dass er für das Amt des Parteivorsitzenden „nicht mehr zur Verfügung“ stehe.

Kaum hatte Beck dies ausgesprochen, schlug Heil Willy Brandt als Parteivorsitzenden vor. Als Beck beim Rausgehen allerdings noch rief, dass Brandt tot sei, gab es erst einmal eine kurze Pause im Nominierungsspektakel.

Verzweifelt versuchte Steinmeier die Situation zu retten, als er Gazprom Germania Mogul Gerhard Schröder ins Spiel brachte. Der Vorschlag fand allerdings wenig Gegenliebe und so wurde für 2 Minuten und 37 Sekunden Pavel Michailczik SPD Parteivorsitzender. Der gebürtige Pole mit polnischem Pass arbeitete bereits viele Jahren im Ressort, seit er von der SED 1987 aus Polen verschleppt und zur Zwangsarbeit im Bereich der Kommerziellen Koordinierung (KoKo) der DDR verdammt wurde. Der Fall der Mauer wurde dem inzwischen 67 Jährigen verheimlicht und so arbeitete er weiterhin für Alexander Schalk-Golodkowski und seinen Untergebenen Axel „IM Monika“ Hilpert. Im vom Land Brandenburg mit 5 Millionen Euro unterstützten DDR-Bonzen/Devisen-Rettungs-Projekt „Schwielowsee Ressort“ musste Michailczik seine Kenntnisse als Elektroingeniuer nutzen, um Glühlampen in den protzigen Bungalows auszutauschen. Vollkommen überrascht von seiner plötzlichen Wahl durch die Genossen zum Parteivorsitzenden reagierte er jedoch schnell und stellte einen Ausreiseantrag. Als Franz Müntefering ihm berichtete, dass die DDR seit ca. 20 Jahren nicht mehr existierte, ging eine Scheibe zu Bruch und die SPD stand wieder ohne Parteivorsitzenden da.

Franz „Münte“ Müntefering reagierte sofort und schlug Oskar Lafontaine vor. Dieser war zufällig im Nebenraum und nahm die Nominierung an. Im Anschluss schmiss er alle Anwesenden aus der Partei und schlug seinerseits Frank-Walter Steinmeier als neuen Parteivorsitzenden und eine Umbenennung in ASPD (Abhängige SPD) vor. Der Vorschlag wurde einstimmig (dafür 1, dagegen 0, Enthaltungen 0) angenommen. Steinmeier wurde Parteivorsitzender, nahm die anderen wieder auf, was Lafontaine dazu bewog, unter Protest aus der Partei auszutreten. Dieser Umstand kümmerte die anderen aber nicht und Steinmeier schlug eine Systemwiederherstellung des Parteivorsitzes vom 21. März 2004 vor, welches der Administrator der SPD-Homepage einleitete. Leider hatte dieser Vorgang zur Folge, dass die Partei nun wieder SPD hieß, weil sich der Administrator weigerte „das schon wieder“ zu ändern.

Im Anschluss wurde dann das Bekannte von Heil und Steinmeier vorgetragen. Aus Rücksicht auf die ohnehin schon verwirrte Bevölkerung entschied man sich allerdings, die Wechselgeschichte auf nur einen zu beschränken. Der Administrator hatte gedroht, den Mailserver der SPD abzuschalten, sollte er sich „in irgendeiner Weise zum Thema Systemwiederherstellung äußern“ müssen. Per Voice-SMS bezeichnete er Steinmeier noch als „En Null Null Be“ und trug dessen Emailadresse bei Spamyourenemy.com ein.

Aber nicht nur dieser Schritt verzückte die skandalhungrige Meute hinter den Mattscheiben. Unter tosendem Beifall verkündete Steinmeier, dass zur Bundestagswahl 2013 ein ganz besonderer Kandidat der SPD aufgefahren werde. Hierzu befände sich im Augenblick eine besondere Genmischung in den Teströhren, welche als endgültige Mutation den Kandidaten der bald zu gründenden Partei SPDU Franz-Walter Müntemerkel ergeben werde. Das Genmischwunder soll alle verschlagenen Eigenschaften der führenden deutschen Politiker in sich vereinen und die magische Grenze von 27% knacken, unter welche laut Statistischem Bundesamt die Wirtschaftsparteien der Mitte im Jahr 2012 voraussichtlich fallen werden.

Einen Verlierer sollte dieser Tag allerdings haben. Das ASPD Parteilogo musste geopfert werden.

Man kann nur hoffen, dass die Sendung ihren neu gewonnenen Drive nicht gleich wieder verspielt. Um so mehr wird die Parteiführung jetzt jedoch auf die Marktanteile schielen.

SPD – täglich 0-24 Uhr, ARDZDFARTEPHÖNIXRTLIISat1Pro7Kabel1NDRWDRSWFBR

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